Krise des Kapitalismus ist nicht nur eine der Ökonomie


In den Medien wird die derzeitige Krise vor allem als eine Krise der Ökonomie, insbesondere der Finanzwirtschaft, dargestellt. Das verwundert aus zwei Gründen nicht. Zum einen steht in dieser Gesellschaft die Jagd nach dem Profit, also das ökonomische Interesse im Vordergrund, zum anderen haben die bürgerlichen Meinungsmacher kein Interesse daran, die Krise als eine politische Krise, oder gar allgemeine Krise des Kapitalismus erkennbar werden zu lassen. Sie müssen die Illusion aufrechterhalten, daß die bürgerliche Politik, der bürgerliche Staat, in der Lage ist, die Probleme zu lösen.

Was sich gegenwärtig in der kapitalistischen Welt abspielt, ist aber weit mehr als eine der sich periodisch wiederholenden ökonomischen Krisen, es ist die sich gerade rasant verschärfende allgemeine Krise der kapitalistischen Gesellschaft, die alle, sämtlich alle gesellschaftlichen Bereiche erfaßt hat. Sie zeigt sich in der Zerrüttung der Staatsfinanzen, in den politischen "Fieberanfällen", die zahlreiche bürgerliche Regierungen stürzen lassen und Politiker reihenweise zu Rücktritten veranlaßt (freilich ohne daß dadurch irgend etwas "besser" wird), es zeigt sich im kulturellen und moralischen Verfall, die die bürgerliche Gesellschaft immer dekadenter erscheinen läßt, in der Zerstörung der inneren sozialen Zusammenhänge. Es zeigt sich in der immer hemmungsloseren Vernichtung der Lebensgrundlagen der Zivilisation im Wettrennen der imperialistischen Mächte um die noch zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen. Der Profit war und ist der Maßstab, der "Meßbecher" des "Erfolgs" für Banken und Konzerne, nur ist diese maßlose Gier inzwischen auf einem Niveau angekommen, in der nicht nur die militärische Vernichtung, sondern die generelle Vernichtung der ökonomischen, sozialen und ökologischen Grundlagen der menschlichen Existenz an sich billigend in Kauf genommen wird. Nach uns die Sintflut ist zum Motto einer unübersehbar im Abstieg befindlichen kapitalistischen Gesellschaft geworden.

Die Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft tritt somit immer zwingender und dringender auf die historische Tagesordnung. Die Alternative wäre die Fortsetzung der Auspressung vom Imperialismus unterdrückten Völker, der Ausbeutung der werktätigen Massen, der Vernichtung von Ressourcen und Lebensgrundlagen für den Profit bis zum völligen Zusammenbruch der Gesellschaft und das Versinken in der Barbarei.

Auch wer die inneren Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge der kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Auswirkungen noch nicht erkennt, spürt an den Erscheinungen, daß die Gesellschaft immer kränker wird. Es ist ja nicht zu übersehen, daß trotz aller Beteuerungen und heuchlerischer Bekundungen, "gegen die Armut" hierzulande wie in der Welt etwas zu unternehmen, die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.
Der kapitalistische Raubbau vernichtet Wälder und Fluren und macht die Weltmeere zu ausgeplünderten Abfallgruben, vergiftet die Luft und heizt mit Milliarden und aber Milliarden Tonnen Emissionen unseren Planeten immer weiter auf. Inhaltsleere Umwelt-Konferenzen bringen nicht mehr zustande als unverbindliche Absichtserklärungen.

Das kapitalistische System hat die Eigenheit, Alles und Jedes dem Profit unterzuordnen. Auch das Gesundheitswesen. Bis vor einiger Zeit hat man sich wenigstens noch bemüht, so zu tun, als ob die Behandlung von Kranken, die Gesunderhaltung von Menschen eine "soziale Aufgabe" sei. Nach diversen "Gesundheitsreformen" spricht man nun ohne jede Scham von Arztpraxen und Krankenhäusern so, als ob man dort Werkstoffe verarbeite und Waren umsetze. Patienten erscheinen nur noch als Kostenfaktor oder Gewinnquelle.

Nehmen wir die Kultur. Die Massenmedien sind auf einem derart unterirdischen Niveau angekommen, daß selbst die bürgerliche "Zeit" vom Fernsehen als "vom Volk bezahlte Verblödung" sprach. (1) Die herrschenden Klassen waren schon immer der Ansicht, daß ein aufgeklärtes und gebildetes Volk für sie eine Gefahr darstellt und es daher möglichst dumm zu halten sei. Genau so sehen dann auch die für den Massenkonsum produzierten Medien und Programme aus. Gelegentliche "Ausrutscher" mit Anflügen von Niveau und Kultur verschwinden in kleinen Spartenprogrammen oder im Nachtprogramm. Kindern aus "einfachen Verhältnissen" stellt der Staat große Hürden in den Weg, wenn es um höhere Bildung, um Studienplätze geht und welche Geringverdiener haben schon Geld übrig für teure Theaterkarten oder Bücher? Zuerst müssen einmal Miete, Strom, Essen und Kleidung, die grundsätzlichen Dinge des Lebens bezahlt werden, alles andere ist "Luxus". Die Klassenschranken gelten eben für alle Bereiche des Lebens. Dieselbe "Elite", die verhindert, daß Menschen aus ärmeren Verhältnissen einen besseren Zugang zu Bildung und Kultur erhalten (gleichwohl sie es alle Jahre wieder verspricht), hat dann noch die Frechheit, sich über eine unzivilisierte "Hartz-IV-Kultur" zu mokieren und zum "Beweis" dafür zu nehmen, daß es sich ohnehin nicht lohne, Armen mehr Geld zu geben, die es dann eh nur "versaufen" würden. Ja, neben den vielen Anständigen, die sich in dieser Gesellschaft arbeitslos oder mies bezahlt redlich und mühevoll durchs Leben schlagen müssen, gibt in der Arbeiterklasse eine kleine Schicht, die schon Marx und Engels "Lumpenproletariat" nannte, die sich den Verhältnisse ergeben, dem Alkohol, der Kriminalität verfallen, statt klassenbewußt gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse anzukämpfen. Aber es gibt auch die "Lumpenbourgeosie", deren dekadenter Lebenswandel, deren Saufgelage sich nur dadurch unterscheiden, daß die da "unten" sich mit billigem Schnaps zufrieden geben müssen, und die da "oben" im Champagner schwimmen. Und was die Kriminalität anbelangt, wie hieß es bei Brecht? ""Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" (2) Minimale Verfehlungen kosten sehr leicht einfachen Arbeiterinnen und Arbeitern den Job. Milliardenverluste, verursacht von raffgierigen Bank- und Konzernbossen führen schlimmstenfalls zum "Rauswurf" mit millionenschweren Abfindungen.

Der Imperialismus verfügt heute über den höchsten Stand an technischen Mitteln und wissenschaftlichen Methoden, doch er kann und will sie nicht zum Wohle der Völker nutzen. Allein was Profit bringt, zählt. Er verfügt über Waffen, die mörderischer sind, als alles, was die Welt je gesehen hat, aber er kann die Völker, gegen die er Krieg führt, nicht auf Dauer unterjochen. Und obwohl das Beispiel Afghanistan zeigt, daß der Imperialismus diese Kriege letztlich nicht gewinnen kann, plant er bereits die nächsten und bedroht so z.B. den Iran, Venezuela, Kuba, die KDVR... Die Imperialisten reden von Abrüstung und tun nichts als altes Gerät unter großem propagandistischen Aufwand auf dem Müll zu werfen, während in ihren Waffenschmieden längst neue, noch furchtbarere Vernichtungswaffen erdacht und gebaut werden.

Es ist ihnen gelungen, vor zwei Jahrzehnten durch die Konterrevolution den Sozialismus im Bunde mit ihren verräterischen Gesinnungsgenossen in den europäischen sozialistischen Staaten zu zerschlagen. Doch dem Siegesgeheul folgte der Katzenjammer. Die imperialistische Welt hat sich nicht als der "ewige Sieger" erwiesen. Sie versinkt krisengeschüttelt im immer rascheren Tempo in allgemeiner Dekadenz auf allen gesellschaftlichen Gebieten. Der Herrscherthron, den sie nach der Zerstörung der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Länder glaubten nun für immer besetzen zu können, zerkrümelt ihnen unter dem Hintern.
Freiwillig räumen werden sie ihn freilich nicht. Eher ist der Imperialismus bereit, die ganze Menschheit mit in den Abgrund zu reißen, als von Profit und Macht zu lassen.
Das macht ihn in der fortschreitenden Krise so gefährlich, weil zunehmend unberechenbarer. Als der deutsche Imperialismus in Gestalt des Faschismus offenkundig den Krieg verloren hatte, sprach er dem deutschen Volk das Recht auf eine weitere Existenz ab, es sollte mit ihm untergehen, so wie er am liebsten den ganzen Erdball in die Luft gejagt hätte, wenn er es angesichts seiner Niederlage noch gekonnt hätte.
Der heutige Imperialismus wäre im wortwörtlichen Sinne in der Lage, die Erde zu vernichten, um sie im Zuge seines Untergangs mit ins Grab zu reißen.
Deshalb ist es wichtig, den Menschen zu erklären, daß die allgemeine Krise des Kapitalismus unter den heutigen Bedingungen zu einer Existenzkrise der Menschheit wird, wenn sich die antiimperialistischen Kräfte nicht zusammenschließen, um die untergehende kapitalistische Gesellschaft daran zu hindern, die Menschheit in eine vernichtende Barbarei zu stürzen.

Der Ausweg liegt allein in der revolutionären Überwindung des Kapitalismus und der Errichtung sozialistischer Verhältnisse. Eine Aufgabe, die nur die Arbeiterklasse im Bündnis mit anderen Werktätigen lösen kann. Niemand sonst wird für einen Ausweg aus kapitalistischer Krise und Zerstörung sorgen. Den Kommunisten als bewußtester Teil der Arbeiterbewegung kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Sie müssen in diesem Kampf für eine neue, sozialistische Zukunft die politische Führung übernehmen. Die Schaffung der nationalen wie internationalen Einheit und Geschlossenheit ist dafür Voraussetzung!

Adam Antinus

(1) Zeit Online, 29.07.2010, Vom Volk bezahlte Verblödung

(2) Bertold Brecht, aus "Dreigroschenoper"


Zurück zur Homepage