Buchempfehlung: "Solidarität: Die Zärtlichkeit der Völker"



Aus Anlass des 20. Jahrestages der Gründung des NETZWERK CUBA im Juni 1993 haben zwei seiner langjährigen Vorsitzenden, Heinz-W. Hammer und Frank Schwitalla, einen bemerkenswerten Band mit dem Titel »Solidarität: Die Zärtlichkeit der Völker« herausgebracht. Auf 246 Seiten schildern die seit Ende der 60er-Jahre politisch Aktiven die Entstehung und wechselvolle Geschichte des Dachverbandes der Cuba-Solidaritätsorganisationen in der Bundesrepublik.
Anfang der 1990er-Jahre litt das revolutionäre Cuba unter einer Art »doppelten Blockade«: Das sozialistische Lager war zusammengebrochen, »die seit 1960/61 bis heute andauernde umfassende Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade durch die USA und ihre wichtigsten Partner (BRD, EG u.a.) wurde nun katastrophal verschärft durch den Umstand, dass buchstäblich über Nacht 85% der Außenhandelspartner wegfielen. In dieser Situation«, so die Autoren, »saßen die Contras in Miami bereits auf gepackten Koffern und warteten auf die sich in ihren Augen endlich ergebende Möglichkeit des Einmarsches nach Cuba, um mit Machete und MG Revanche zu üben« (S. 7). Nicht nur ihre Feinde, sondern auch ihre Freunde fragten sich, ob die Insel der Freiheit noch standhalten können würde. »In dieser dramatischen Situation stellte sich also für die Freundinnen und Freunde Cubas weltweit die Frage, was denn wie zu tun sei. Und die Zeit arbeitete zunächst für die Feinde der Revolution« (S. 13).
Diese Situation machte es zu einem Gebot der Stunde, die Kräfte der politisch und sozial durchaus heterogenen Solidaritätsbewegung zu bündeln, auch in Deutschland, wo die »gesamtdeutsche« Kohl-Regierung sich durch den völkerrechtswidrigen Bruch von über 100 Verträgen, die einst zwischen Cuba und der DDR abgeschlossen worden waren, aktiv an der feindseligen Kampagne gegen Cuba beteiligte. Von Mai 1991 an kam hierzulande es zu ersten Treffen interessierter Gruppen, wobei auch neue Bündnispartner hinzugewonnen werden konnten, die sich bisher erstrangig für andere Länder des Trikont wie etwa Nicaragua engagiert hatten. »Dieser Graswurzelcharakter«, heben die Autoren hervor, »ist das entscheidende Gründungselement des späteren NETZWERK CUBA – Informationsbüro – e.V.« (S. 15).
Zu einem bedeutenden Ereignis gestaltete sich der 1. Internationale Cuba-Kongress in Bonn am 23. Mai 1992, der unter Beteiligung prominenter Persönlichkeiten des politischen und kulturellen Lebens wie etwa Frei Bretto sowie des damaligen Vorsitzenden des Kommunistischen Jugendverbandes Cubas und einiger Europaabgeordneter stattfand und von Fidel Castro und Daniel Ortega gegrüßt wurde. In einer Abschlusserklärung forderten die Teilnehmer »den Trägerkreis auf, in Zusammenarbeit mit den Initiativen der Cuba-Solidarität eine ’Infostelle Cuba‘ aufzubauen, um eine raschere Verbreitung von Informationen aus und über Cuba sowie über die jeweiligen Aktivitäten innerhalb der Cuba-Solidarität zu erreichen«; »damit«, so Hammer und Schwitalla, »war der Grundstein gelegt für die Schaffung des späteren NETZWERK CUBA – Informationsbüro – e.V.« (S. 23).
Ausführlich werden die zum Teil komplizierte Vorbereitung und Durchführung der Gründung des NETZWERK CUBA, die Entwicklung von organisierter Öffentlichkeitsarbeit und breiter Mobilisierung auf politischer wie kultureller Ebene und die Organisierung der materiellen Unterstützung Cubas, bspw. in Form von Karawanen, nachgezeichnet. 1999, knapp ein halbes Jahrzehnt nach Gründung des NETZWERK CUBA, konnte ein positives Fazit gezogen werden: »Das NETZWERK CUBA hatte sich bewährt. Es konnte, wie im ersten Kapitel beschrieben, Impulse setzen,  es war attraktiv für viele, die auf Grund persönlicher Erfahrungen durch die ’período especial‘ neu zur Solidaritätsbewegung mit Cuba stießen und es war – schließlich nicht ganz unwichtig für eine Solidaritätsgruppe – effektiv in der politischen und materiellen Unterstützung des revolutionären Cuba« (S. 128).
Deutlich gestärkt – durch das Aufbrechen der Isolierung Cubas, den am Anfang des neuen Jahrtausends neu aufkommenden Linkstrend in Lateinamerika und neue soziale Bewegungen weltweit – konnte die Cuba-Solidarität ihren Kampf fortführen, wobei der politisch-kulturellen Komponente, vor allem im Kampf für die Freiheit der fünf zu Unrecht in den USA eingekerkerten Patrioten (s. S. 133ff., S. 209ff., S. 232ff.), eine deutlich herausgehobenere Stellung als in den 90er-Jahren zukam, als vor allem materielle Hilfe not tat. Das Buch endet mit der Auswertung des XVI. Europatreffens der Cuba-Solidarität, das im November 2012 mit Teilnehmern aus 30 Staaten und 54 Organisationen in Berlin stattfand. »Das Europatreffen«, resümieren die Verfasser, »war ein Erfolg und im Nachhinein wurden von zahlreichen TeilnehmerInnen viel Lob und Dankbarkeit ausgesprochen. Und sicherlich war es auch ein Höhepunkt in der Geschichte des NETZWERK CUBA« (S. 196).
Insgesamt betrachtet ist »Solidarität: Die Zärtlichkeit der Völker« für engagierte Cubafreunde gewissermaßen ein »Muss«, bietet es doch in äußerst anschaulicher Weise mit einer Vielzahl an Originalzeitdokumenten und einem angemessenen Anmerkungsapparat einen sehr interessanten und aufschlussreichen Blick auf diverse Aspekte der bewegten Vergangenheit der Solidaritätsbewegung in der »neuen« Bundesrepublik bzw. der »período especial« wie auch Anregungen, Inspiration für die Zukunft.
Benannt ist das Buch übrigens nach einem Zitat von Che Guevara, mit dem auch dieser Beitrag geschlossen sei: »Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker«. •
Heinz-W. Hammer/Frank Schwitalla, »Solidarität: Die Zärtlichkeit der Völker. 20 Jahre NETZWERK CUBA – Informationsbüro – e.V.«, PapyRossa, Köln 2013, ISBN 978-3-89438-523-1, 12 €.



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