Der 1. Mai muß wieder ein Kampftag der Werktätigen werden!



Seit 1890 wird der 1. Mai (auf Beschluß der 2. Internationale von 1889) als ein Kampftag der Arbeiter gegen Ausbeutung und Unterdrückung und als ein Gedenktag für die proletarischen Opfer im Klassenkampf begangen.  Unter dem Eindruck der revolutionären Kämpfe wurde 1919 in Deutschland der 1. Mai zu einem Feiertag erklärt, das galt allerdings, typisch Sozialdemokratie, nur für den 1. Mai 1919. Zudem wollte die SPD den 1. Mai nicht mehr als Kampftag der Werktätigen, sondern als allgemeinen Feiertag des ganzen Volkes, als Ausdruck der "Klassenversöhnung" feiern lassen.

Diese Rechnung hatte sie allerdings ohne die revolutionären, kommunistischen Kräfte in der deutschen Arbeiterbewegung gemacht. Für sie blieb es ein Tag der Demonstration ihres Willens, zu kämpfen für die Rechte der Arbeiterklasse, für die Überwindung der kapitalistischen Ausbeutung, gegen Rüstung und Krieg und für die Verteidigung des sowjetischen Sozialismus gegen alle imperialistischen Angriffe.

Von der Reaktion wurde der 1. Mai erbittert bekämpft. Gehilfen fanden sie nicht nur in der SPD-Regierung der "Weimarer Republik", sondern auch in den rechten Gewerkschaftsführern, die mit ihrer Politik die Arbeiterklasse spalteten und - leider mit einigem Erfolg - von ihnen beeinflußte Arbeiter vom revolutionären Kampf abhielten.  Trauriger Höhepunkt war der Blutmai 1929, an jenem 1. Mai ließ der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin, Karl Zörgiebel, auf demonstrierende Arbeiter schießen, die sich geweigert hatten, dem Verbot der 1. Mai-Demonstration durch Zörgiebel zu folgen. Zahlreiche Tote waren die Folge.

Nach der Errichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland bemächtigte sich das Hitlerregime des 1. Mai und mißbrauchte ihn als "Feiertag der nationalen Arbeit" und zu ihren faschistischen Propagandazwecken. Die rechten SPD- und Gewerkschaftsführer, die mit aller Konsequenz gegen die Kommunisten vorgegangen waren, verhielten sich dagegen inkonsequent und feige gegenüber den Faschisten. Einige Gewerkschaftsführer wollten sich mit ihren Organisationen sogar den Nazis als "unpolitische Vereine" andienen. Genützt hat es ihnen nichts, die Diktatur verbot nach dem faschistischen 1. Mai-Aufmarsch und der Erstürmung der Gewerkschaftshäuser am 2. Mai 1933 alle Gewerkschaften.

Erst nach der Zerschlagung des Faschismus durch die Sowjetunion, konnten auch auf deutschem Boden wieder Arbeiter im sozialistischen Sinne am 1. Mai für demonstrieren. Während in der sowjetisch besetzten Zone die Werktätigen ungehindert den 1. Mai feiern konnten, schränkte im Westen Deutschlands die amerikanische Militärverwaltung das Demonstrationsrecht ein, verbot z.B. das Mitführen von Plakaten oder Fahnen.
Es zeigte sich sehr bald, daß die unterschiedliche Entwicklung im Westen und Osten Deutschlands auch zu einer unterschiedlichen Kultur des 1. Mai führte. Mit Gründung der DDR wurde der 1. Mai ein staatlich garantierter Feiertag, die großen Demonstrationen  allerorten in der DDR kündeten vom Willen, ein friedliches, demokratisches, sozialistisches Deutschland aufzubauen, sie waren gerichtet auf den Schutz und die Verteidigung des Friedens, der Völkerverständigung und der Solidarität und der Freundschaft mit der UdSSR.

Im Westen hingegen sorgten unbelehrbare Sozialdemokraten und Gewerkschaftsführer, die aus der Geschichte offenkundig nichts gelernt hatten, für die Fortsetzung der alten Politik, den 1. Mai seines politischen Charakters zu berauben und zu einem Tag des allgemeinen Feierns und der Freizeitgestaltung zu machen. Erst die politischen Unruhen Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre in der BRD sorgten dafür, daß der 1. Mai durch alternative Bewegungen und Organisationen wieder einen stärkeren politischen Inhalt bekam, allerdings auch nur zeitweilig. Dennoch gab es immer wieder linke Kräfte, die gegen den unpolitischen "Bierzelt-Mai" der Gewerkschaften mit eigenen Veranstaltungen angingen.
Insgesamt gelang es der Bourgeoisie mit Hilfe der SPD und der Gewerkschaften, den 1. Mai in der Bundesrepublik soweit zu "entpolitisieren", daß es in den 80er Jahren sogar Diskussionen um eine "Abschaffung" des 1. Mai gab.

Aber auch in der DDR veränderte sich der Charakter der Maidemonstrationen allmählich. In den Jahren des Aufbaus unter der Führung der SED unter Genossen Walter Ulbricht war der 1. Mai für viele Werktätige ein ganz besonderer Tag. Mit Freude, Elan und Kreativität bereiteten sie sich auf den Kampf- und Festtag vor. Vielerorts wurden Häuser und Straßen geschmückt, 1.-Mai-Wagen entworfen und gebaut und am 1. Mai zog man unter revolutionären Bannern durch die Dörfer und Städte und demonstrierte die Einigkeit zwischen den Werktätigen und der Arbeiter- und Bauernregierung in der DDR, für das Volk eine bessere, sozialistische Zukunft zu erbauen.
Der Einfluß revisionistisch-reformistischer Kräfte in der SED und ihrer Führung führte aber vor allem in den 80er Jahren dazu, daß sich die damit wachsende Entfremdung zwischen Parteiführung und Bevölkerung auch auf den 1. Mai auswirkte. Eine zunehmende Zahl an Werktätigen empfand die Maidemonstrationen mehr als Pflicht, denn als eigene Verpflichtung und manchen wurde auch hier die Bier- und Würstchenbude wichtiger als das ursprüngliche Anliegen des Kampftages des Werktätigen.

Mit der Konterrevolution und der Annexion der DDR durch die BRD glaubte die Bourgeoise in Deutschland auch endgültig jeden revolutionären Anstrich des 1. Mai hinwegfegen zu können. Seit den 90er Jahren beherrschten wieder die opportunistischen Versöhnler aus den Chefetagen des DGB und bürgerliche Politiker mit ihren Sonntagsreden über "soziale Gerechtigkeit" die Maiveranstaltungen. Gegenveranstal- tungen von anderen linken Kräften blieben in der Minderheit.

Doch die Zeiten ändern sich wieder. Der zunehmende Druck infolge der allgemeinen Krise des Imperialismus und insbesondere der aktuellen Weltwirtschaftskrise führt auch unter den Werktätigen zu zunehmenden Widerstand. Die vom Kapital und deren Regierungen in zahlreichen Ländern durchgepeitschten "Sparprogramme" verlangen den einfachen Arbeitern, den Arbeitslosen, Armen, Kranken oder Rentnern immer größere Opfer ab, mit denen sich das Finanzkapital saniert und Extraprofite einsackt. Die zunehmend heftiger werdenden Klassenkämpfe in Griechenland, Portugal, Spanien, Irland, Großbritannien, Rumänien und anderen Ländern zeigen, daß bei immer mehr Betroffenen die Erkenntnis wächst, daß Hilfe und bessere Verhältnisse für die einfachen Menschen weder von sozialdemokratischen noch konservativen Regierungen zu erwarten ist. Die einen wie die anderen sind nichts Anderes als die willfährigen politischen Erfüllungsgehilfen des Finanz- und Monopolkapitals. Wenn sich die Arbeiterklasse nicht selbst hilft, hilft ihr niemand. Das muß sich auch endlich wieder in den Demonstrationen zum 1. Mai widerspiegeln, sie müssen wieder zum echten Kampftag der Werktätigen werden, ganz im Sinne der großen Traditionen des 1. Mail als Kampftag gegen kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung, für den Sieg und die Verteidigung des Sozialismus.

Dazu gehört auch, daß die kommunistische Bewegung weit energischere Anstrengungen unternehmen muß, um ihre ideologische Festigkeit auf der Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus zurückzugewinnen und ihre Spaltung und Zersplitterung zu überwinden. Nur so wird sie in der Lage sein, der Arbeiterklasse in ihrem Kampf gegen den Kapitalismus die dafür nötige politische Führung zu geben.

U.L.

Foto:  Demonstrationszug zum 1. Mai, 1952 in Dresden, DDR. Autor: Richard Peter,  Quelle: Deutsche Fotothek (file:df_ps_0000926), Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany


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