Zu einigen Aspekten der "Finanzkrise"


Profit-loss-risk Seit der sogenannten Finanzkrise 2007 wurden von den imperialistischen Staaten hunderte und hunderte Milliarden Dollar, Euro, Yen usw. in die "Finanzmärkte" gepumpt, das heißt den Großbanken und Spekulanten zugeschanzt. Im Ergebnis nichts anderes, als dass die Profite des Finanzkapitals vor den Krisenfolgen geschützt und damit weiter privat blieben, während die Verluste und die zig milliardenschweren Unterstützungen für die Banken und Konzerne vergesellschaftet wurden. Sie wurden den einfachen Bürgern per erhöhter Schuldenlast, Sozialkürzungen, Abgabenerhöhungen und Lohnraub aufgebürdet.
Seitdem haben die Regierungen immer wieder verkündet, die Finanzkrise sei im Wesentlichen überwunden, die "Rettungspakete" für die Banken würden wirken, die Wirtschaft würde wieder Fahrt gewinnen. Freilich müsste weiter "gespart" werden - heißt, die einfachen Menschen sollen weiter hübsch ihr Geld den Reichen zuschustern - damit die "zarte Konjunktur" auch weiter anhalte, aber irgendwann (so kurz vor St. Nimmerlein) würden auch "kleinen Leute" vom Aufschwung profitieren.

Die Krise ist nicht vorüber, sie verschärft sich

Alles Gesundbeten hat nichts geholfen. Die Krise ist nicht nur nicht vorbei, sie verschärft sich zusehends. Es ist eben diesmal nicht nur eine der üblichen zyklischen Krisen, kein Häufchen Dreck, das man einfach mal unter den Teppich fegt, es geht zu wie bei einer großen Blase unter einer Gummidecke - man kann draufhauen wie man will, sie geht einfach nicht weg. Vier Jahre lang ist den imperialistischen Regierungen zur "Krisenbewältigung" nichts anderes eingefallen, als gewaltige Summen (weltweit Billionen!) denen zuzuschanzen, die die Krise verursacht haben, den Banken und Monopolen, und dazu das Geld denen zu nehmen, die am meisten unter der Krise zu leiden haben, den Werktätigen, kleinen Gewerbetreibenden, den Arbeitslosen und Armen.
Im Ergebnis hat sich das Finanzkapital zunächst saniert und satte Extraprofite eingefahren, während die Staatshaushalte in zahlreichen kapitalistischen Staaten dem Bankrott entgegen taumeln und die einfachen Bürger mit immer weniger Einkommen einer immer bedrohlicheren Inflation entgegensehen müssen. Jetzt bricht die mühsam weggeredete Krise wieder unübersehbar offen aus. Ein „Euroland“ nach dem anderen stürzt in eine Staatskrise, den USA droht ein Rücksturz in die Rezession und auch in China wächst nach Jahren eines scheinbar endlosen stürmischen Aufschwungs die Sorge vor einer „Überhitzung“, sprich Krise der Wirtschaft. Dazu kommt angesichts der kranken US-Finanzen die Sorge um die in China angehäuften Dollar in Billionenhöhe. Mit bisher unbekannter Offenheit rüffelte daher die neue chinesische kapitalistische Großmacht die alte US-amerikanische kapitalistische Großmacht, gefälligst seine Wirtschaft in Ordnung zu bringen.
"Schuld" an dem Desaster sind ohnehin immer die anderen, aber in keinem Fall das Kapital an sich. Höchsten einige wenige böse Spekulanten. Schuld sind vielmehr die Bürger, die "über ihre Verhältnisse" leben. Oder die Griechen und Südländer, die erst mal arbeiten lernen sollten wie die Deutschen.  Oder tagesaktuell auch mal EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der so leichtfertig war, eine Meinung zu äußern, ohne die deutsche Regierung vorher um Erlaubnis zu fragen.

Es gibt kein „zweites deutsches Wirtschaftswunder“

Krise? Nicht bei „uns“, so die offizielle Lesart. Merkel und Co. Verweisen gern auf die "brummende deutsche Wirtschaft" und das Sinken der (offiziellen) Arbeitslosigkeit. Schaut man hinter diese Propagandafassade, dann wird klar, dass das angebliche "zweite deutsche Wirtschaftswunder" eine Lüge ist, denn an denen, die den gesellschaftlichen Reichtum überhaupt erst produzieren, ist das "Wunder" nicht nur vorbeigegangen, sie sind die Verlierer des sogenannten Aufschwungs. Die neuen Jobs, das sind vor allem unsichere Arbeitsverhältnisse, mies bezahlte Leiharbeit. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge verloren gerade die Geringverdiener seit dem Jahr 2000 etwa 16 bis 22 Prozent ihrer Einkommen. [1] Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass sich ausgerechnet die SPD in diesem Zusammenhang zum Anwalt der Geringverdiener macht. "„Wer auch für wenig Geld arbeiten geht, statt sich auf Hartz IV zu verlassen, wird in unserem Land doppelt bestraft. Er verdient wenig und hat nichts vom Aufschwung. Damit muss endlich wieder Schluss sein.“, zitiert WELT ONLINE den SPD-Chef Gabriel. [2] Dabei war es die SPD, die mit Schröders "Agenda 2010" und deren Kernstück Hartz-IV den Lohnraub, die Verarmung zahlreicher Menschen und damit die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben deutlich beschleunigt hat. Geschichtsvergessenheit ist aber wohl eine der typischen Eigenschaften der Sozialdemokratie.

Dass sich die deutsche Wirtschaft dem Augenschein nach zuletzt krisenfester zeigte, als die armen Eurovettern in Griechenland, Spanien, Italien, Irland, Portugal oder wo immer der Pleitegeier über ein Euroland schwebt, ja selbst derzeit besser da steht als der große Bruder USA, der nach einer politischen Schmierenkomödie eben grad' noch mal so am Staatsbankrott vorbeischrammte, hat vor allem zwei Ursachen.
Zum einen profitierte das deutsche Kapital von einer deutlichen Verschärfung der Ausbeutung, wie Lohndrückerei und Leiharbeit und von der Abwälzung der Krisenfolgen auf die Bürger und den Staatshaushalt. Mit der erwähnten "Agenda 2010" hatte die Sozialdemokratie dem deutschen Kapital einen weiteren Vorteil in der Konkurrenz mit den anderen kapitalistischen Staaten verschafft und zugleich ein Grundmuster vorgelegt, nach dem nun in zahlreichen anderen Ländern "Sparprogramme" gegen die Interessen der Werktätigen und Arbeitslosen durchgepeitscht werden.  Zum anderen nutzte das deutsche Kapital in den Krisenjahren die Schwächung der Konkurrenten in den anderen EU-Staaten sowie in den USA und Japan. Länder wie z.B. Griechenland, Spanien oder Portugal waren seit der Einführung der "Gemeinschaftswährung" nun auf Verderb an den Euro gefesselt, der wirtschaftsstärkere Länder wie Deutschland begünstigte, und konnten so nicht wie früher u.a. durch Abwertung ihrer Währungen versuchen, z.B. Nachteile im Handel zumindest zu mindern.

Der deutsche und französische Imperialismus wollen die Vorherrschaft in Europa ausbauen

Die seit einiger Zeit auffällig häufigen Konsultationen zwischen Deutschland und Frankreich dienen ja nicht wirklich dem "Schutz des Euros" und der "Stabilität in ganz Europa". Hier geht es darum, dass die imperialistischen europäischen Großmächte Frankreich und vor allem Deutschland die Lage ausnutzen wollen, um ihr "Europa der zwei Geschwindigkeiten" im Interesse ihres Finanz- und Monopolkapitals durchzusetzen. „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ heißt letztlich nichts anderes, dass sich das deutsche und französische Kapitals auf Dauer die Vorherrschaft in Europa sichern wollen und „Resteuropa“ sich ihren Interessen unterzuordnen hat. So redeten BRD-Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schon mal von einer „europäischen Wirtschaftsregierung“. Dass diese von den stärksten Mächten Deutschland und Frankreich dominiert würde, ist dabei so klar, dass sofort Protest aus anderen europäischen Staaten kam, nicht zuletzt aus Großbritannien, das sich selbst als europäische Großmacht sieht und seine Interessen von den deutsch-französischen Plänen gefährdet sieht.
Hinter dem Merkel/Sarkozy-Vorschlag verbirgt sich aber noch eine andere Gefahr. Eine solche „Wirtschaftsregierung“ würde nicht nur die Souveränität der kleineren Staaten weiter aushöhlen, diese „Regierung“ stünde auch außerhalb der Regeln der bürgerlichen Demokratie, denn sie wäre anders als nationale Regierungen nicht gewählt und nicht den Parlamenten unterworfen, nicht zuletzt würde die Wirksamkeit von nationalen Gewerkschaften und politischen Interessenvertretungen der Arbeiterklasse beschnitten. So formal und begrenzt die bürgerliche Demokratie auch ist, ihre Beschneidung oder Außerkraftsetzung ebnet den Weg zur offenen Diktatur der Großbourgeoisie und ist damit nicht im Interesse der Werktätigen.

Die Krise und die gesetzmäßige ungleichmäßige Entwicklung der kapitalistischen Staaten führen zu einem härter werdenden Kampf um die Aufteilung der Welt

Die sogenannte Finanzkrise ist Teil der sich zunehmend verschärfenden allgemeinen Krise des Imperialismus. Gerade in der Krise zeigt sich, wie sich die gesetzmäßige ungleiche Entwicklung der kapitalistischen Staaten auswirkt. Sie verschärft den damit verbundenen Kampf um Märkte, Ressourcen und Einflussgebiete. Dieser Kampf zeigt sich derzeit in einer immer erbitterter werdenden Auseinandersetzung um die Neuaufteilung der Welt, der insbesondere auch durch den Aufschwung Chinas zu einer neuen kapitalistischen Großmacht noch angeheizt wird. Die USA und Japan haben in den zurückliegenden Jahren an ökonomischer Macht und Einfluss verloren. Insbesondere für das US-Kapital ein Alptraum, nachdem man sich über Jahrzehnte scheinbar auf Ewigkeit als "einzige verbliebene Supermacht" wähnte. Eine Supermacht auf Pump. Billionen Dollar wurden in Rüstung und Kriege "investiert", Billionen Dollar dem in die Krise geratenen US-Finanzkapital zugeschanzt. Die Schulden der USA stiegen dabei auf mittlerweile fast 15 Billionen Dollar, eine unvorstellbar große Summe. Alles "Geld drucken" hat nichts genützt, die USA kommen nicht aus der Krise heraus.
Was ist ist nun das "neue" Krisenrezept? Die USA drucken weiter Geld. Ökonomisch ist das schlichter Irrsinn, aber Kapitalismus ist eben keine Gesellschaft der Vernunft.
Bis mindestens 2013 will die US-Notenbank die "Null Zinspolitik" fortsetzen. Kommt eine Inflation dazu, ist es sogar eine Minuszinspolitik. Es hat zur Folge, dass sich das Finanzkapital zu faktisch Null Prozent Zinsen Geld beim Staat leiht, es aber keineswegs etwa vorrangig zu Wert schaffenden Investitionen in der Wirtschaft einsetzt, sondern es spekuliert vielfach damit, indem es z.B. anderen Schuldnern zu hohen Zinsen Geld leiht. Geld heckt Geld zum hohen Profit der Banken, ohne tatsächliche Werte zu schaffen (bezeichnenderweise unterscheiden bürgerliche Ökonomen die "Finanzwirtschaft" von der "Realwirtschaft"). Unter Berücksichtigung der Inflation muss wohlmöglich das US-Finanzkapital am Ende der US-Notenbank sogar noch weniger zurückzahlen, als es sich geliehen hat. Das ist ungemein profitabel für das Finanzkapital, aber auf Dauer ökonomischer Selbstmord für die Gesellschaft. Dass die neuen, alten "Rettungspläne" wirkungslos sind bei der Krisenbewältigung, ist nun wirklich unübersehbar geworden. "...die Waffen der Notenbanker scheinen stumpf: die Fed hat in der Finanzkrise bereits viele Milliarden Dollar gedruckt und versucht, die Wirtschaft anzukurbeln. So senkte Bernanke etwa schon vor der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 beispiellos schnell die Zinsen und legte seitdem zwei milliardenschwere Programme zum Kauf von Anleihen auf – immer mit dem Ziel Finanzsystem und Wirtschaft unter die Arme zu greifen.", beschreibt FOCUS MONEY die Lage ganz richtig. [3]  Aber es gilt hier das Motto: Profit jetzt und nach uns die Sintflut. Da das Finanzkapital längst weltweit in den kapitalistischen Staaten das dominierende ist, wird letztlich überall nach der gleichen Methode verfahren, wie in den USA. Das Ergebnis ist ruinös. Letztlich auch für das angeblich so gut dastehende Deutschland, dessen Kapital in der Krise die Chance wittert, seinen weltweiten Einfluss auszubauen. Doch das sogenannte „zweite Wirtschaftswunder“ steht auf tönernen Füßen. Die Staatsverschuldung der BRD ist gerade in den letzten Jahren rasant gestiegen. In den letzten drei Jahrzehnten ist sie von 237 Milliarden Euro im Jahr 1980 auf nunmehr fast 2 Billionen Euro angewachsen. [4]

Das Wirken der Gesetzmäßigkeit des tendenziellen Falls der Profitrate

Wir haben bereits festgestellt, dass die sogenannten Finanzkrise in Wirklichkeit Ausdruck der allgemeinen Krise des Imperialismus ist und wie sich in ihr die Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktionsweise, wie beispielsweise die ungleichmäßige Entwicklung der kapitalistischen Staaten und Zentren mit besonderer Schärfe widerspiegeln. Dazu gehört auch das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate. Wir wissen, dass innerhalb des Kapitals nur das variable, also die Arbeitskraft Mehrwert und damit Profit schafft. Das Verhältnis zwischen dem konstanten Kapital und dem variablen Kapital bestimmt somit die Profitrate. Nun muss jede Gesellschaft, will sie Bestand haben, sich erweitert reproduzieren. Das heißt, dass sich jeder Kapitalist nur längerfristig behaupten kann, wenn er mindestens zur Sicherung des Durchschnittprofits, besser zur Erlangung eines Extraprofits, die Produktionsmethoden durch Rationalisierung, Einführung moderner Technologien und Technik usw. ständig verbessert und auf eine höhere Ebene bringt, um im Konkurrenzkampf zu bestehen. Ziel ist dabei immer die Erlangung höherer Profite. Das Problem dabei ist aber, dass sich dabei zwangsläufig die Zusammensetzung des Kapitals verändert. Diese Veränderung der Zusammensetzung des Kapitals, in dem der Anteil des variablen Kapitals sinkt, führt zur Tendenz der sinkenden Profitrate. Auch wenn dabei dennoch die Profitmasse steigt, ist das eine für den Kapitalisten unerwünschte Entwicklung, der mit möglichst wenig Aufwand aus jeder Arbeitskraft einen maximalen Profit pressen möchte. Der Zwang zur Investition in moderne Technik usw. steht dem aber entgegen. Die wissenschaftlich technische Revolution hat den Druck auf das Kapital, gegen den tendenziellen Fall der Profitrate anzukämpfen, noch enorm erhöht. Schon immer hat der Kapitalist versucht, mit verschärfter Ausbeutung, Verlängerung der relativen und absoluten Arbeitszeit, Lohndrückerei, Verlagerung von Produktionskapazitäten in „Billiglohnländer“ usw. der Tendenz des Falls der Profitrate entgegenzuwirken. Unterstützung erhält er dabei vom imperialistischen Staat, der mit finanziellen Vergünstigungen wie Steuergeschenken oder Subventionen sowie mit der Umverteilung der Mittel von unten nach oben hilft, im Interesse des Kapitals den Widerstand der betroffenen Werktätigen und Bürger unterdrückt und Kriege mit dem Ziel der Umverteilung der Macht zugunsten seines Kapitals führt. Im Ergebnis schwankt die Profitrate und kann temporär auch wieder steigen. Insgesamt ist die Tendenz aber, weil eben gesetzmäßig, nicht aufzuhalten. Die Gegenmaßnahmen wirken auch nur solange, solange der Kapitalismus die Fähigkeit hat, sich als Gesellschaft weiterzuentwickeln. An der Grenze seiner Entfaltungsmöglichkeiten angekommen, erschöpfen sich auch die Möglichkeiten, den tendenziellen Fall der Profitrate zu bremsen. Die allgemeine Krise des Imperialismus ist in eine Phase eingetreten, die den heutigen Imperialismus als im Untergang befindliche Gesellschaft kennzeichnen. Zugleich haben die Produktionsmethoden und die damit verbundene Veränderung der organischen Zusammensetzung des Kapitals ein Niveau erreicht, die den Kapitalisten den Kampf gegen den tendenziellen Fall der Profitrate nur noch mit exzessiver Hilfe des imperialistischen Staates ermöglichen. Das hat zur Folge, dass der Staat immer mehr Mittel umverteilt zugunsten des Großkapitals, während ihm zugleich für die Erfüllung der sonstigen staatlichen Aufgaben immer weniger Mittel verbleiben. „Gelöst“ wurde das Problem durch eine immens und rasant anwachsende Verschuldung der staatlichen Haushalte. Jetzt soll „Sparen“ das Schuldenproblem lösen. Das alles führt letztlich aber nur dazu, dass sich die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft immer weiter verschärfen und auf einen Punkt zutreiben, in dem sie für die Arbeiterklasse, die am meisten darunter zu leiden hat, unerträglich werden.

Die sozialen und politischen Folgen der Krise

Gespart wurde: Sozialleistungen wurden gestrichen, kommunale Einrichtungen geschlossen, Investitionen in öffentlichen Schulen gestrichen usw. Nicht, dass kein Geld da wäre. Die Gewinne der Banken und Konzerne sind ebenso explodiert, wie die Einkommen der Finanzjongleure und Spitzenmanager, zugleich sanken jedoch die Reallöhne, die Zahl der Werktätigen mit Niedriglöhnen nahm zu wie die der Menschen, die auf Hartz-IV angewiesen sind. Zig Milliarden wurden so umverteilt zugunsten der Reichen. Laut Politik.de besitzen zehn Prozent der Bürger in Deutschland dreiviertel des Geldvermögens. [5] Würden die Multimillionäre und Milliardäre etwa „verhungern“, wenn sie einen Teil ihres Privatvermögens, das sie schließlich nicht der eigenen Hände Arbeit, sondern dem Fleiß der Millionen von Werktätigen zu verdanken haben, zur Bekämpfung der Schulden und der Armut herausgeben müssten? Nein. Und wie war das doch mit dem stetig wiederkehrenden Geschwätz der Politiker, „die starken Schultern müssen mehr tragen als die schwachen“? Abkassiert werden aber im Gegenteil die, die ohnehin an wenigsten haben. So ist, so funktioniert Kapitalismus. Es geht nie um „soziale Gerechtigkeit“, es geht allein um Profit und noch mehr Profit. Deshalb werden die Reichen immer reicher und deshalb die Armen immer ärmer.
Eine Entwicklung, die in den kapitalistischen Staaten notwendig auf den Widerstand der Werktätigen, Arbeitslosen und Ausgegrenzten stoßen muss Die heftigen Klassenkämpfe in Griechenland und anderen Ländern sind ein Ausdruck für die Zuspitzung der Krise. In Deutschland gelingt es dem Kapital und seiner Regierung noch, die Massen weitgehend ruhig zu halten. In ihrer Propaganda ist die Krise vor allem eine Krise, die die anderen haben. Zudem wirkt auch die imperialistische Strategie, mit chauvinistischen und rassistischen Parolen einen Teil der Bevölkerung dazu zu bringen, sich gegen noch Schwächere oder angeblich „nicht gleichwertige“ Menschen zu wenden, statt sich gegen die Herrschenden aufzulehnen. Auf Dauer wird das alles nichts nützen. Die kapitalistische Gesellschaft ist im Abstieg begriffen, sie ist historisch überlebt, aus ihren zyklischen Krisen ist eine Dauerkrise geworden. Zur Rettung des Finanz- und Monopolkapitals aus der jüngsten Krise haben die imperialistischen Regierungen die öffentlichen Haushalte bis an die Grenze ihrer Sprengung belastet. Finanzieren sollen das die einfachen Bürger, die mit ständig neuen „Sparprogrammen“ konfrontiert werden. Das hat aber weder die enorme Verschuldung der Haushalte verringert, noch die Krise gelöst. Dennoch gibt es kein Innehalten in dieser Strategie, die die sozialen Konflikte anheizen wird und im übrigen auch nicht die Wirtschaft belebt, sondern durch den Entzug von ständig mehr Kaufkraft im Gegenteil schwächt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen schwant selbst manchem Großbürger Übles. Mit geradezu Verzweiflung stellt die Financial Times Deutschland fest, dass die Billionenaufwendungen die Krise nicht lösen konnte und es dämmert dem Finanzblatt, dass der permanente soziale Raubbau und Lohndrückerei die Krise ebensowenig lösen werden – eher im Gegenteil.  So heißt es in einem Kommentar der Financial Times Deutschland: „Begreift die Welt diesen Zusammenhang schnell, und gelingt es ihr, über eine staatlich koordinierte Lohnpolitik die Voraussetzungen für positive Einkommenserwartungen wiederherzustellen, kann man auf die Rückkehr alter zyklischer Muster hoffen. Falls nicht, kann es Wachstum nur noch über neue staatliche Ankurbelungsprogramme geben. Schließt man die aus, weil die "Märkte" und die Politik sich vor neuen staatlichen Schulden fürchten, ist das japanische Szenario - zwei in Stagnation und Deflation verlorene Jahrzehnte - das wahrscheinlichste Ergebnis. Die politischen Folgen mag man sich nicht ausmalen.“ [6]
Ein Dokument der Hilflosigkeit. Selbst die begrenzte „soziale Einsicht“ der Financial Times ist vom Kapital nicht zu erwarten und die Alternative weiter Schulden anzuhäufen, um die Wirtschaft „anzukurbeln“ funktioniert offenkundig nicht mehr, wenn dabei selbst einer ökonomischen Großmacht wie den USA die Puste ausgeht.
Auch andere Blätter machen sich Sorgen. Deren „Lösungsvorschläge“ gehen indessen selbst an minimalen sozialen Bedenken vorbei. So verlangt die großbürgerliche WELT ONLINE endlich Lehren aus der Krise zu ziehen. Solidarität sei jetzt gefragt. Natürlich nicht vom Finanzkapital, derart „linke“ Ideen sind der WELT fremd. Die Bürger sollen solidarisch sein und das Blatt mault: „...wütend sind die Reaktionen in Athen, Dublin oder Madrid auf die von den jeweiligen Regierungen verkündeten Sparmaßnahmen.“ [7] Schuld sind nicht etwa die sozialreaktionären Maßnahmen der Regierungen, sondern nach Ansicht der WELT ONLINE die Feigheit der Politiker, derartige Einschnitte schneller und rigoroser vorzunehmen: „Die meisten Regierungschefs müssen erst mit dem Rücken an der Wand stehen, damit sie sich trauen, ihren Bürgern etwas zuzumuten.“ [8]

Es gibt keine Lösung innerhalb der kapitalistischen Ordnung

Ob nun nach dem Motto der Financial Times: Gebt es den Reichen, aber werft den Arbeitenden ein paar Brosamen mehr zu, um unliebsame 'politische Folgen' zu vermeiden, oder nach dem Motto der WELT: Gebt es den Reichen und nehmt es von den Bürgern, solange der noch was hat – es gibt keine Lösung innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Die Krise nimmt ihren Lauf und die hält in der Tat weder Ochs noch Esel auf. Die Lösung liegt im politisch organisierten Widerstand und in der Überwindung der kapitalistischen Verhältnisse. Krisen und die Spaltung in Arm und Reich werden überwunden, wenn der gesellschaftliche Reichtum auch denen gehört, die ihn erarbeiten. Eine solche Gesellschaft heißt Sozialismus. Sie ist die einzig mögliche Alternative oder der untergehende Imperialismus reißt uns in die Barbarei.

Uwe Langer

[1] WELT ONLINE, SPD will Einkommensverlust mit Mindestlohn stoppen, 20.07.2011

[2] ebenda

[3] FOCUS MONEY ONLINE, US-Notenbank plant Nullzins-Politik bis 2013, 09.08.2011

[4] Bund der Steuerzahler, Verschuldung

[5] Politik.de, Die oberen Zehntausend, Das Sparpaket belastet vor allem Normal- und Wenigverdienende, 29.06.2010

[6] Financial Times Deutschland, Finanzkrise, Warum die Ökonomen die Welt nicht verstehen, 12.08.2011

[7] WELT ONLINE, Warum Regierungschefs als Spekulanten versagen, 08.08.2011

[8] ebenda


 

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