Offener Brief von KGB-Veteranen an Putin



Offener Brief an den ehemaligen Tschekisten,
den Präsidentschaftskandidaten Rußlands, Wladimir W. Putin,
von den Veteranen des KGB der UdSSR


Herr Putin, Sie waren einst mit uns in einer Einheit und dienten derselben Heimat. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Pfeiler unserer Macht ins Wanken kamen, haben Sie, wie sagten, einen „anderen Flugplatz gewählt“. Die politischen Ereignisse haben Sie auf den höchsten Posten der Staatsmacht gebracht. Im tiefsten Herzen hatten wir Tschekisten noch die Hoffnung: der junge, unerfahrene Mensch wird in den staatlichen Dingen reifen. Mit Unruhe, voller Sorge und Hoffnung erwarteten wir eine Wendung zum Besseren. Aber wie sich zeigte – vergeblich, denn wir sind nicht über das Niveau von 1990 hinausgekommen. Wir leben auf Kosten der Erdöl- und Gaspipelines und der ununterbrochenen Importe. Das brüderliche Weißrußland, das arm ist an Rohstoffquellen, wurde von Rußland seit langem von allen Ergebnissen ausgeschlossen. Nun ist der Termin der nächsten Präsidentschaftswahlen herangekommen. Und plötzlich erfahren wir von den Oberen die Neuigkeit: „Der neue Präsident Rußlands wird Wladimir Putin sein, und der Premierminister Dimitri Medwedjew.“ Merkwürdig, wie leicht und schlendernd, so ohne Beklommenheit Sie sich mit Medwedjew über die Besetzung der zwei höchsten Posten im Land geeinigt haben. Mit welchen Verdiensten? Und worauf gründet sich Ihre unerschütterliche Überzeugung, daß das Volk Sie liebt, und daß es zu Ihnen keine Alternative gibt?

Es ist keine Sünde, hier an Stalin zu erinnern. Nach dem großen Sieg, auf dem Gipfel des Weltruhmes, trat er am 24. Mai 1945 vor das Volk und erklärte: „Wir haben nicht wenige Fehler gemacht, wir hatten in den Jahren 1941-1942 Momente einer verzweifelten Lage…und ein anderes Volk hätte seiner Regierung sagen können: ‚Ihr seid unseren Erwartungen nicht gerecht geworden, tretet ab … wir danken dem russischen Volk für dieses Vertrauen!“ Sie haben öffentlich erklärt, Sie haben „geackert wie ein Galeerensklave“ (auf Galeeren wird übrigens nicht geackert) und haben das Land vor den schlimmen Folgen der Weltfinanzkrise gerettet. Sie erklärten: „Ich kann mich außerdem nicht erinnern, daß die sowjetische Nachkriegsführung und seine Führer ebenso intensiv gearbeitet hätten. Haben Sie Respekt, Herr Putin! – die ganze Welt war begeistert über die Erfolge unseres Landes! Und bis zum heutigen Tag genießt das russische Volk die Früchte der Arbeit jener Generation.

Als wir Ihren programmatischen Zeitungsartikel zur Kenntnis nahmen, waren wir noch mehr enttäuscht. Leider sind nun schon 12 Jahre mit Ihnen am Ruder des Staates vergangen, wo Sie den schicksalhaften Weg Rußlands nicht erkannt und sich bewußt nicht von der Seite der Oligarchie abgewandt haben. Probleme gibt es genug, und sie alle verdienen gewiß Interesse. Warum kam Ihnen plötzlich vor den Wahlen eine solche „Erleuchtung“ – sechs Artikel in den Zeitungen, obwohl viele den dargelegten Vorschlägen von der Opposition seit langem vorgetragen wurden!? Und das wesentlichste – auf welche ideellen und materiellen Kräfte werden Sie sich stützen?

Beginnen wir mit der Wirtschaft. Der Artikel in der Zeitung „Westije“ mit dem auffälligen Titel „Wir brauchen eine neue Wirtschaft“ wirft viele Fragen auf. Erstens: Waren 12 Jahre wirklich nicht genug für Experimente? Zweitens: Was haben Sie denn aufgebaut? Man kommt zu der festen Überzeugung, daß Ihr Artikel nicht an unser Volk, sondern an die großen multinationalen Korporationen adressiert ist. Denen werden sogar Garantien gegeben, daß der Staat sich „aus der Wirtschaft zurückzieht“. Hat das Volk Ihnen das wirklich empfohlen? Oder kann es sein, daß die Oligarchen Ihnen das vorgesagt haben? Schon jetzt gehören dem Staat nur 10 Prozent der Wirtschaft. In den westlichen, entwickelten Industrieländern hat der Staat 30-40 und mehr Prozente der Wirtschaft in seiner Hand. Wie wir die Sache sehen, sind die Mutmaßungen des Autors darüber ziemlich naiv, daß westliche Investoren in „Wissenschaft und Produktionsbasis investieren“ würden und es „ermöglichen, ihre Verbindungen und ihre Stellung auf großen internationalen Märkten einzubringen“. Wann hat der Westen uns jemals moderne Technologien und Möglichkeiten gegeben, um vorwärts gerissen zu werden!? Ihrem Beruf nach müßten auch Sie mehrere Beispiele entgegengesetzten Charakters kennen. Kann sein, daß es schon ausreicht, mit ausgestreckter Hand in dem Westen zu gehen und denen die Hand zu schütteln, doch wer Rußland ausraubte, der wird es auch künftig tun. Während Ihrer Zeit an der Macht hat sich die Anzahl der Milliardäre in Rußland verdoppelt, und das Kapital der obersten hundert Milliardäre ist auf über siebenhundert Milliarden Dollar angewachsen. Das ist mehr als der Goldbestand und der ehemalige Stabilitätsfond des Landes zusammengenommen. Sie nehmen diese Leute in Schutz und warnen das Volk im Falle einer Untersuchung der Gesetzlichkeit dieser Privatisierung vor einem Bürgerkrieg. Ja, Sie fürchten sogar, eine progressive Mehrwertsteuer einzusetzen. Und diese Leute genieren sich nicht. Wie man den Massenmedien entnehmen kann, verwahrt die sogenannte Elite Rußlands über 500 Milliarden Dollar im Ausland. Und diese Leute leben hauptsächlich dort. Allein im Jahre 2011 wurden über eine Billion Rubel ungesetzlich ins Ausland gerbacht, und 700 Millionen Rubel aus dem Budget nicht bestimmungsgemäß verwendet. Große Besorgnis ruft bei den Landwirtschaftsspezialisten und Bauern der Beitritt Rußlands zur WHO hervor. Die Lebensmittelsicherheit wurde unserem Land schon entzogen. In der wirtschaftlichen und der geistigen Sphäre setzte unser Volk große Hoffnungen auf die Bildung Bündnisses mit Weißrußland. Aber unter Ihrer Führung gab es plötzlich auf dem Wege der Annäherung unserer Bruderländer viele „Erdgas-“, „Lebensmittel-", und weitere „Minen mit verzögerter Wirkung“, die in merkwürdiger Reihenfolge begannen zu explodieren. Was wird künftig unter Ihrer Führung zu erwarten sein?

Hinter der Fassade Ihrer Wahlartikel gibt es noch eine weitere, die wichtigste Existenzfrage unserer Macht. Zwei Drittel unseres Landes befindet sich hinter dem Ural, dort liegt auch die Zukunft Rußlands. Ohne Sibirien und den Fernen Osten ist Rußland kein großer Staat, sondern ein Moskauer Fürstentum. Seit langem greifen die begehrlichen Hände der Widersacher Rußlands nach diesem reichen Boden. Die obersten Politiker Großbritanniens, der USA und einiger anderer Länder sagen heute schon öffentlich, daß es höchste Zeit ist, Sibirien in die Hand zu nehmen und den Interessen der Welt zunutze, und nicht nur Rußlands, zu verwenden. Leider haben wir bei den Überlegungen des Präsidentschaftskandidaten weder Überlegungen, Pläne, noch der Vorschläge über diese riesigen Gebiete Rußlands gefunden. Die Industrie und die Landwirtschaft siechen dahin und das Volk verläßt diese Länder. Man muß die Mittel in erster Linie dort investieren, und nicht in Sotschi und in andere „Potjomkinsche Dörfer“ auf der Russischen Insel. Natürlich ist die Olympiade eine wirksame Maßnahme, aber eine vorübergehende, und man muß in die Zukunft unseres Staates sehen. Darüber sprach schon der große russische Patriot M. Lomonossow. Unter Ihrer Regierung verringerte sich die Bevölkerungszahl im Fernem Osten um mehr als 40 Prozent. In den Bezirken des äußersten Nordens sogar um zwei Drittel. In Sibirien sind etwa 11.000 Dörfer und Siedlungen, 290 Städte verlorengegangen. Dort lebten in der Hauptsache russische Menschen. Und das ist eine nationale Frage, nicht eine Frage der Standortverteilung! In sowjetischer Zeit wurden dort jährlich neue Betriebe, Fabriken, See- und Flußhäfen errichtet. Ein Jahrhundertbauwerk war die Baikal-Amur-Magistrale (BAM). Das Volk, insbesondere die Jugend, siedelte sich dort an, um uns das Erbe dieses reichsten Kontinent zu sichern. Die Besiedelung wurde mit einer kleinen Luftflotte und durch Flußschiffahrt gewährleistet. Heute gibt es fast keine solche Luftflotte. Von Wladiwostok nach Kamtschatka muß man beispielsweise über Moskau fliegen. Die Flußschiffahrt ist am Ende, und 70 Prozent der Seefahrt läuft unter ausländischen Flaggen. Wo ist hier die staatliche Strategie? Oder haben etwa Sibirien und der Ferne Osten diese Kremlmacht nicht nötig, und sollte man diese Gebiete wie Alaska verkaufen? In diesem Zusammenhang macht der von Ihnen ausgesprochene Gedanke hellhörig, daß der Staat nur diejenigen Gebiete verwalten soll, mit denen er zurechtkommen kann.

Uns, die wir den größten Teil unseres Lebens der Sicherheit unseres Landes verpflichtet waren, verwundert Ihr Verhältnis zur Armee. Alle großen Herrscher und Begründer unserer Macht hielten sich streng an das Verteidigungsprinzip, die Armee und die Flotte in Bereitschaft zu halten, um Land und Volk zu schützen. Seit mehr 20 Jahren wird nun die russische Armee reformiert. So etwas hat es in unserer Geschichte noch nicht gegeben! Und das wesentliche daran ist, niemand ist für etwas verantwortlich. Einige Jahre lang reformierte Ihr Kollege S. Iwanow die Armee, der seiner Ausbildung nach ein Philologe ist. Als er seinen Job beendete, sagte er, daß er die Reform abgeschlossen habe. Doch dann leitete der Handelsvertreter A. Serdjukow das Ministerium für Verteidigung, und die Reformen nahmen noch erbitterter kommerzielle Gestalt an. Vor kurzem wurde der neue stellvertretende Vorsitzende der Regierung D. Rogosin zum Kurator des Verteidigungskomplexes ernannt. Auch ein Philologe. Sind die talentierten und erfahrenen Kenner der Verteidigungsprobleme in Rußland wirklich ausgestorben? Oder besteht irgendeine staatliche „Weisheit“ darin, mit Hilfe von Philologen und Händlern strategische Aufgaben zu entscheiden? Seinerzeit wurde Napoleon irgendwie empört von einem leichtsinnigen General gefragt: „Warum weichen Sie die ganze Zeit zurück?“ – „Nein,“  antwortete der erfolglose Feldherr „ich ziehe nur in eine andere Richtung.“ Etwas ähnliches geschieht im obersten Stab der russischen Militärstrategen. Zu der Zeit, als Sie, Wladimir Putin, der Oberste Befehlshabers waren, hatten wir den Eindruck, daß die Armee wiederauflebt. Sie flogen einen strategischen Bomber, hielten sich auf einem Atom-U-Boot auf, trafen sich mit den führenden Kämpfern in Tschetschenien. Diese Videofilmchen erzeugten eine Illusion von Verständnis des Staatsoberhauptes für die Verteidigungsprobleme des Landes. Zur gleichen schnappten die Streitkräfte nach Luft, stürzte der Verteidigungskomplex ein und seine Betriebe wurden an ausländische Firmen verkauft. Bis heute glaubt das Volk noch, daß der nukleare Raketenschild Rußlands sicher sei. Das war einmal. Aber nach vorliegenden Angaben werden zum Jahre 2015 im wesentlichen die sowjetischen strategischen Raketen außer Betrieb genommen, und bei diesem durch die Reformen zerrissenen Verteidigungskomplex kann nicht einmal die Anzahl der strategischen Nuklearraketenwaffen ergänzt werden, wie das im SALT-II-Abkommen vorgesehen ist. Das bedeutet einen Verstoß gegen das Gleichgewicht in den vorhandenen strategischen Kräften. Wir beginnen ernsthaft zurückzubleiben, und bekanntlich werden die Zurückbleibenden geschlagen

Der Volksmund sagt: Elend – wohin man auch schaut! Wie die Armee, so wurde auch die Bildung durch Reformen ermordet. Die Medizin – alles wird nur noch Rubel umgerechnet. Sie haben einen ganzen Artikel dem „Aufbau der sozialen Gerechtigkeit“ gewidmet. Im realen Leben soll sie mit der Verfassung eines Landes, mit gerechten Gesetze und hohem moralischem Verhaltens aller Vertreter der Staatsmacht anfangen. Im jetzigen Rußland gibt es nichts davon. Und Sie, und die Staatsduma haben ihre Tätigkeit begonnen mit der unsittlichen Verordnung №1 über die unerhörten Privilegien Jelzins, der unserem Land und den Völkern kolossalen Schaden zufügte. Derzeit erleben wir eine rasche Zunahme der sittlich-moralischen Verkommenheit der Jugend und der Kinder. Die Kriminalität hat, besonders unter der Jugend, riesige Ausmaße angenommen. Die Zahl der obdachlosen Jugendlichen ist für Friedenszeiten außerordentlich hoch. Rußland nimmt nach der Anzahl der Selbstmorde unter den Kindern und den Jugendlichen den ersten Platz in der Welt ein. Die Veteranen des KGB, die sich den Traditionen Felix E. Dzierżynskis verpflichtet haben, können das nicht ohne Schmerz im Herzen sehen. Schon einige Jahre versuchen die Spezialisten des Fonds gegen die organisierte Kriminalität und Korruption, mit den interessanten und realen Initiativen im Kampf gegen dieses Übel zu Ihnen durchzudringen. Aber alles ist vergeblich, Ihre bürokratische Umgebung ist undurchdringlich!

Einen äußerst negativen Einfluß auf die moralische Gesundheit unseres Volkes begann das Fernsehen zu spielen. Sie haben erklärt, daß „auch die Programme der föderalen Kanäle geschmacklos“ sind. Wie konnte das geschehen, daß staatliche Strukturen, die im wesentlichen dazu dienen sollen, eine hohe geistige Kultur ins Volk zu tragen, die Gemüter der Menschen an den Bildschirmen vergiften? Wieviel von dieser Verkommenheit muß man von staatlichen Geldern noch ertragen? Warum korrigieren Sie die Lage nicht?

Wie Sie wissen, ist in unserem tschekistischen Beruf Zuverlässigkeit die wichtigste Eigenschaft. Unzuverlässige Leute wurden als Kundschafter nicht genommen, denn dann konnten tatsächlich Fehler geschehen, und das endete in der Regel schlecht. Nun konnten wir Sie schon fast zwei Jahrzehnten beobachten, und was haben wir gesehen? Sie haben vor einiger Zeit ein Programm zum Aufschwung der Wirtschaft ausgerufen. Sie haben das den „Putin-Plan“ genannt, und Sie warben mit großem Trara in den Massenmedien dafür. Noch viel früher haben Sie der Wirtschaft die Aufgabe gestellt, das Bruttosozialprodukt des Landes zu verdoppeln. Sie nahmen sich sogar vor, Portugal in irgendwelchen Parametern zu überholen. Wo sind diese Pläne, und was ist dabei herausgekommen? Der Hinweis auf die Krise ist kein überzeugendes Argument. Die Weltfinanzkrise ist das gesetzmäßige Ergebnis jenes ökonomischen Systems, das Sie Rußland aufgezwungen haben. Während der globalen Krise der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts hat die Sowjetunion auf allen Gebieten des Lebens einen kolossalen Sprung vorwärts gemacht. Und Sie rechnen es sich als Verdienst an, daß wir während dieser Krise nicht ganz untergegangen sind. Leider geben die langjährigen Erfahrungen mit Ihrer Arbeit an der Spitze des Staates kaum Hoffnung auf ein besseres Los für unser Land und unser Volk. In Ihren Wahlkampfauftritten und Artikeln wird das schmeichelhafte Bild eines sich zivilisiert entwickelnden Rußlands gezeichnet. Doch bei uns, und offensichtlich bei vielen unseren Landsleute, hat sich kürzlich die grauenhafte Nachricht der Massenmedien aus Sibirien im Gedächtnis eingebrannt. In einer Siedlung hat eine Greisin ihren kranken Mann in einem Trog in anderes Dorf geschleift. Dringende ärztliche Behandlung war nötig. Mit dem großer Mühe war es der armen Frau gelungen, bis zur benachbarten Siedlung zu kommen. Aber bis zur Ankunft eines Krankenwagens hat der Mann nicht überlebt. Wie der Staat darauf reagierte, haben die Massenmedien nicht mitgeteilt. Das ist das heutige Rußland! – Und nicht, wie man es sich in den Villen auf der Rubljowsker Chaussee vorstellt.

Veranlassung zu diesem offenen Brief gab uns die bittere Erkenntnis, daß wir wiederum Zeuge eines Wahlspektakels unter der Bezeichnung „Präsidentenwahlen“ sein werden. An den Fernsehbildschirmen, in den Programmen des Rundfunks, auf den Seiten der Zeitungen und bunten Zeitschriften figurieren Sie hauptsächlich als Erlöser Rußlands in Zeiten der Weltfinanzkrise und Garant für die weitere Stabilität unserer Gesellschaft. Die Kumpane Jelzins, die sich an der Ausplünderung Rußlands beteiligten, haben sich im Gewand von Kämpfern für das Volkswohl kostümiert und kämpfen sogar als Verfechter gerechter Wahlen für die Fortsetzung des „Putinschen Kurses“. In den staatlichen Institutionen, einschließlich dem Bildungswesen, werden die Angestellten, die Schüler und Studenten gezwungen, Erklärungen zur Unterstützung Putins zu unterschreiben, den Arbeitern gibt man freie Tage, um an den Kundgebungen zu Ihrer Unterstützung teilzunehmen. Es wird die freie Durchfahrt und der Transport bezahlt, um an Demonstrationen für die Unterstützung des „Führers der Nation“ teilzunehmen. Das alles zeugt von der tiefen Krise der Staatsmacht. Die Wirtschaft entwickelt sich einseitig, als das Rohstoffwirtschaft, wie das Kolonialländern eigen ist und wird zu 70 Prozent aus dem Ausland versorgt. Die Wissenschaft wird zu Grunde gerichtet, die Bildung dümpelt vor sich hin, es verarmt die Kultur. Der Staatsapparat versumpft in Bürokratie und Korruption. Die grassierende Armut nähert sich der Grenze zur Katastrophe, zum Flächenbrand, es gibt einen ständige Schwund einer riesigen Zahl von Menschen, wie es nur für Kriegszeiten charakteristisch ist.

Das führt uns nur zu einer Schlußfolgerung: die Jelzin-Periode und Ihre Regierung des Landes sind  für Rußland eine verlorene Zeit. Solch einen tiefen Rückgang in der Wirtschaft und eine solche gewaltige Abnahme der Bevölkerungszahl hat Rußland in friedlichen Zeiten niemals erfahren. Das ist keine Naturkatastrophe, dafür gibt es Gründe und verantwortliche Personen. Leider hat sich der Präsident Rußlands, wenn er einer zaristischen Macht angehört, vor niemandem zu rechtfertigen und ist niemandem konkret Rechenschaft schuldig. Ihre Partei hat ein solches föderales Gesetz vorbreitet, nach dem unmöglich, ein Staatsoberhaupt wegen schlechter Arbeit vom dem einmal eingenommenen Amt zu entbinden. Das Volk braucht nicht nur schöne Worte und regenbogenfarbige Versprechen eines Präsidenten, sondern konkrete Ergebnisse.

Kommen wir noch einmal zum Problem der Sicherheit des Landes zurück. Die militärisch-politische Lage in der Welt wird mit jedem Jahr beunruhigender. Die Gebiete der bewaffneten Konflikte und die Militärbasen nähern sich ungestüm den Staatsgrenzen Rußlands. Worauf kann unser Volk in Zeiten der drohenden Gefahr hoffen? Auf diese Frage hat eine Gruppe von Wissenschaftlern, bedeutender Militärspezialisten, der Juristen, der Experten verschiedener Wissensgebiete versucht, eine Antwort zu finden. Aufgrund der tiefgründer und unvoreingenommener Analyse sind sie zu folgenden Schlußfolgerungen gekommen: Als Ergebnis einer künstlichen Unfinanzierbarkeit des Budgets und der ständig steigenden Kapitalabwanderung ins Ausland befinden sich die Armee und die Flotte in einer tiefen Krise. Unter dem Druck der Amerikaner und auf Anweisung des Präsidenten Rußlands wurden unsere Militärstützpunkte in Vietnam und auf Kuba aufgelöst. Mit 2002 bis 2004 wurden drei Divisionen der einzigartigen Raketenkomplexe auf der Eisenbahngrundlage abgeschafft. Eine tiefe Erschütterung und nicht heilende Wunde im Bewußtsein der Russen blieb der geheimnisvolle Untergang des atomaren Unterseebootes „Kursk“. In den seit der Tragödie vergangenen Jahren tauchen immer mehr Information über die wahren Gründe des Geschehens auf, die vor dem Volk verborgen wurden. In der Zeit, als Sie Oberster Befehlshaber der Streitkräfte waren, wurde der militärisch-industrielle Komplex massive reduziert und ist auch heute nicht imstande, die Verteidigungsbedürfnisse unseres Landes zu gewährleisten.

Im Februar vorigen Jahres fand auf Beschluß der Gesamtrussischen Offiziers- versammlung ein öffentliches Militärtribunal statt. Den Bericht über die Schlußfolgerungen der genannten Experten erstattete der Abgeordnete der Staatsduma W.I. Iljuchin auf. Im Ergebnis der Untersuchungen des gehobenen Problems, beschloß der Militärgerichtshof der Gesamtrussischen Offiziersversammlung am 12.02.2011:

Die Tätigkeit von Wladimir Wladimirowitsch Putin, des ehemaligen Präsidenten der Russischen Föderation, des ehemaligen Obersten Befehlshabers der Streitkräfte, des heutigen Vorsitzenden der Regierung Rußlands für die Landesverteidigung, ist unvereinbar mit den nationalen Interessen. Sie trägt einen feindlichen Charakter und fügt der äußeren Sicherheit der Russischen Föderation einen nicht wieder gut zu machenden Schaden zu.

Es wird für unmöglich gehalten, W. W. Putin weiterhin im staatlichen Dienst zu beschäftigen, und seine Tätigkeit ist der sorgfältigen Untersuchung durch die Rechtsschutzorgane der Russischen Föderation und weiterer rechtlicher und gerichtlicher Beurteilung zu unterziehen.

Über diesen Beschluß hat W.I. Iljuchin D.A. Medwedjew in einem Brief informiert. Er hat dabei betont, daß die genannten Taten als Merkmale eines Verbrechens nach Artikel 275 des Strafgesetzbuchs der Russischen Föderation (Staatsverrat) angesehen werden müssen. Zum größten Bedauern verstarb  Viktor Iljuchin plötzlich und unerwartet. Weder erfolgte von D.A. Medwedjew noch Ihrerseits eine Reaktion auf den Brief. Das war zu erwarten. Bei dieser Staatsmacht wurde es schon zur Gepflogenheit, nicht auf die Meinung der Öffentlichkeit zu reagieren. Diese Form von Verantwortungslosigkeit der Beamten ist eines von vielen Mängeln in unserem Staat. Wie bereits oben  dargelegt, befürchten wir, daß im Falle Ihrer Wahl zum Präsidenten, Rußland neue Erschütterungen bevorstehen.

Die Veteranen des Komitees für Staatssicherheit der UdSSR:
Generalleutnant K.E. Kortelainen;
Die General-Majore A.E. Arro; B.S. Gloyschew, W.P.Dunajewski, W.I.Ssajzew;
Die Obersten: M.N. Golub, I.M. Iwschin, N.K. Kiselewitsch, V.B. Matwejew.

Quelle:  Новый Регион2, Ветераны КГБ: Под президентством Путина Россию ждут новые бедыБывшие чекисты не пошли бы с Путиным в разведку
 
Deutsche Übersetzung: Karl-Heinz Schmidt, veröffentlicht auf Kommunisten Online


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